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REVIEWS
2017

24

Juni

Heiße Bands, Gluthitze und der Gewinner fährt nach Berlin

Sachsen-Finale 2017 im legendären Beatpol Dresden
2017

17

Juni

Nach einem wundervollem Konzertabend steht der Sieger im Ruhrpottfinale fest.

Das Emergenza-Team bedankt sich für eine tolle Saison in Bochum!
2017

16

Juni

Das Lineup für das Westdeutschlandfinale steht nun fest.

Die letzten Semifinalisten ließen im Luxor, Köln nochmal die Wände wackeln.
NEWS

Feedback von der Veranstaltungsfront

Im Gespräch mit Veranstaltern, Musikern und Fans habe ich herausgefunden, warum die „Verständnisgräben“ oft so tief sind und dass das Brückenbauen oftmals gar nicht so einfach ist.



Nach meinem aufrüttelnden Debütartikel, möchte ich heute gerne für etwas gegenseitiges Verständnis werben und bin dazu im Herbst zu verschiedenen Veranstaltungen gegangen, um zu sehen, wie Emergenza funktioniert. Dabei habe ich sowohl mit den örtlichen Clubbetreibern, den Emergenza Mitarbeitern, als auch mit den Musikern und deren Fans gesprochen. Das Ergebnis zeigt eindeutige Verständnisprobleme, die ich hier gerne ausräumen möchte.

Erst einmal möchte ich mich bei Emergenza bedanken, dass man es mir ermöglicht hat, so viele Einblicke in die Basisarbeit zu bekommen und darüber nun auch noch frei berichten zu dürfen. Es ist nicht selbstverständlich für ein Unternehmen in der Größenordnung, dass man sich so in die Karten schauen lässt.

Professionelle Arbeit und positive Überraschungen

Ich muss sagen, ich war doch positiv Überrascht zu sehen, wie professionell hier Shows veranstaltet werden. Dass auf dem Taubertal Open Air, bei entsprechender Personalstärke, auf der Bühne alles flutscht und in wenigen Minuten ein Umbau und Soundcheck über die Bühne gehen kann, habe ich erlebt und ist angesichts der vielen Hands und Profis, die im Rahmen eines solchen Festivals arbeiten, nichts außergewöhnliches. Ich selbst habe schon mit diversen Bands auf Festivals dieser Größenordnung gespielt und ein Change Over Slot von 20 min. - Backline runter, andere Backline hoch plus Linecheck – ist durchaus üblich und auch machbar. Dass man aber in einem kleinen Club mit Nachwuchsbands einen „fliegenden Wechsel“ in etwa 5 Minuten schaffen kann, kam mir dann doch etwas übertrieben vor. Man kann. Emergenza kann!

Ingo, Backliner in Berlin und schon viele Jahre für Emergenza tätig, war auch schon auf dem Taubertal mit dabei und erklärte mir, dass die Bands vorher in einem Meeting entsprechend gebrieft werden und eben alle über dieselbe Backline spielen, die vom Veranstalter gestellt wird. Nur so wären die zügigen Umbauten überhaupt machbar. Mit Aurel sprach ich in Stuttgart. Er war noch vor einem Jahr selbst mit seiner Band Jurassic*Suicide am Start, macht nun ein Praktikum bei Emergenza und übernimmt somit auch den Backlinerjob. Er hat also den direkten Vergleich und wundert sich nun manchmal, wie schlecht vorbereitet einige Musiker ankommen, dass Informationen bandintern offensichtlich nicht richtig weitergegeben wurden und manch Einer ganz schön unbeholfen auf der Bühne agiert.
Dann ist er gefragt. Aurel steht gerade hinter dem Gitarristen und gibt dem Techniker am FoH Zeichen, um den Sound auf dem Monitor richtig einzustellen. Im nächsten Augenblick ist er schon wieder auf der anderen Bühnenseite und dreht am Amp des zweiten Gitarristen herum, bis auch da alles passt. Vocalcheck .. Signal ans FoH und ein Schulterklopfer beim Moderator Matthias, der für die Region als Area Manager verantwortlich ist, und schon wird die nächste Band angekündigt.
Das wirkt alles ziemlich eingespielt und routiniert, dennoch denke ich mir ist das doch ganz schön stressig. Während die Band spielt, hake ich also nach: „Wie ist das mit der Backline. Sind da alle glücklich damit? Wollen da nicht einige der Bands lieber ihr eigenes Zeug spielen?“ - „Klar“, antwortet Aurel und der muss es ja wissen, „aber ich war damals total glücklich, dass ich nicht meinen ganzen Krempel mitnehmen musste und auf der Bühne so professionell umsorgt wurde. Außerdem ist es ja ein Wettbewerb und wenn für jeden die gleichen Bedingungen herrschen ist das schon okay. Natürlich gibt es Gitarristen, die schon richtig geiles Equipment haben und lieber ihren eigenen Sound spielen wollen, aber es gibt auch ganz viele, die haben nur Schrott oder noch nicht mal 'nen eigenen Amp. Was sollen die dann spielen? So ist das schon fair.“ Matthias erklärt mir dann noch, dass der Deal mit MARSHALL auch etwas ganz besonderes ist, da Marshall tatsächlich weltweit die Backline stellt – in über 150 Städten und auch noch jedes Jahr Amps als Preise in den Finalen vergibt. Das ist schon ein richtig gewichtiger Deal und somit nachvollziehbar, dass der Sponsor dann auch ausschließlich sein Material auf der Bühne sehen will. Ich frage dann noch, ob es auch ein finanzielles Sponsoring gibt bei Emergenza und erhalte ein klares „NEIN! Die Unabhängigkeit ist uns wichtig und wir arbeiten ja wie eine normale Bookingagentur auch, nur eben mit Nachwuchsbands und im Rahmen eines Wettbewerbes.“


Unwissenheit und falsche Informationen bilden den Graben

Jetzt will ich es wissen und gehe auf die Besucher zu, um ihnen auch ein paar Fragen zu stellen. Und da ist er – dieser Graben. Von den Besuchern bekomme ich fast ausschließlich Antworten, wie „meine Band ist die Beste! - Ob ich auch für sie gestimmt hätte?“ Wie sich Emergenza finanziert und wer über welches Equipment spielt, ist ihnen gänzlich Wurst. Einige finden die Eintrittspreise zwischen 7 – 11 € zu teuer und ich denke nur an meinen erste Artikel zurück. Ich konfrontiere und hake nach, ob sie denn wüssten, was so eine Veranstaltung für Kosten verursacht: Clubmiete, Technik, Techniker, Einlasspersonal, Strom und sonstige Nebenkosten, GEMA und dann soll nach Möglichkeit auch noch ein Gewinn übrig bleiben. Ich überschlage schnell die Publikumsmenge und rechne hoch. „Da kann nicht wirklich was hängen bleiben“, denke ich mir und erahne in den Gesichtern meiner Gesprächspartner etwas, wie Einsicht und Verständnis. Man prostet mir zu und der ein oder andere hat wohl inzwischen locker schon die doppelte Summe des Eintritts in Alkohol investiert und feiert eine ausgelassene Party. Ich gehe weiter Richtung Theke und erwische einen Mitarbeiter, der hier offensichtlich einiges zu sagen hat und mir gesteht, dass er die meisten Bands eher schlecht findet und die hier sonst niemals spielen dürften, dass er aber das Konzept von Emergenza geil findet, da so der Nachwuchs eben auch mal die Chance hat in einem coolen Club zu spielen. Nach dem Umsatz gefragt meint er nur, dass natürlich nur bei Parties mit DJs richtig Geld verdient würde, aber mit Emergenza man immerhin eine zeitliche Lücke füllen könnte, zu der sonst der Laden sogar zu wäre und man somit zumindest dem Personal einen kleinen Zuverdienst ermöglicht, damit sie ihre Miete bezahlen können. Und natürlich bekommt man so auch neue Leute in den Club, die vielleicht mal zu einer anderen Veranstaltung kommen.

Eigene Fehler und Schwächen zuzugeben fällt schwer

Erscheint mir einleuchtend und nachvollziehbar. Mit diesem Wissen neu betankt mache ich mich auf Richtung Backtage. Zutritt nur für Musiker. Für mich wird heute eine Ausnahme gemacht. Drinnen sitzen rauchend und trinkend ein paar Typen, die teils schon gespielt haben, teils noch dran sind und unterhalten sich gerade angeregt über Soundfragen und ihre möglichen Chancen. Ich lausche eine Weile und höre zwischen den Zeilen heraus, dass der ein oder andere mit den professionelleren Ansprüchen schon etwas überfordert ist und einige, nicht ganz so befriedigende Eindrücke gewonnen hat. Den Mut sich selbst den Spiegel vorzuhalten und die Erkenntnisse als Erfahrung zu akzeptieren und an sich hart zu arbeiten, lassen sie aber zunächst missen. Auch das erinnert mich schon wieder an Teile aus meinem ersten Artikel. Nach etwas allgemeinerem Smalltalk und den üblichen Floskeln, wie gut sie doch waren, packe ich dann doch die Keule aus und beginne meinen Satz mit: „Also, mal ganz ehrlich...“ . Augen weiten sich und es wird ruhig. Von einem Außenstehenden ist es wohl doch einfacher auch mal Kritik anzunehmen, zumal wenn er vom Fach ist. Auf die Tatsachen angesprochen, die ich den Abend über ermittelt hatte, kam überwiegend ein Schulterzucken und der Klassiker: „Aber Emergenza verdient doch an uns. Wir haben die Karten an unsere Freunde verkauft.“ Als ich dann vorrechne, was meiner Kalkulation nach an dem Abend evtl. hängen bleibt, bzw. wie viel vielleicht sogar noch an Geld mitgebracht werden musste, um überhaupt alles bezahlen zu können, schießt gleich der nächste Klassiker hinterher: „Das machen die doch alles mit Sponsoren wieder wett“. So nach und nach schaffe ich es Gerüchte aus der Welt zu räumen und zeige auf, dass ich als Clubbetreiber keine einzige dieser Bands gebucht hätte. Denn wer es nicht schafft einen Laden zu füllen, braucht auch nicht dort aufzutreten. Es muss ja immer ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein. Und eine Band ist verdammt noch Mal dafür verantwortlich, ob Leute kommen oder nicht. Und nicht der Veranstalter. (Anm. d. Red.: vgl. hierzu auch diesen Artikel) Der kann nur die Werbung machen. Wenn aber niemand die Bands kennt und wenn diese Bands scheiße sind, so wird auch niemand kommen. Punkt aus. Dass es einen Veranstalter, wie Emergenza gibt, der tatsächlich ohne eine Vorauswahl zu treffen, jede Band spielen lässt und dies auch noch ohne jegliches finanzielles Sponsoring macht und somit alle Risiken übernimmt - den Bands gegenüber und auch den Clubbetreibern gegenüber – ist einzigartig und kenne ich so vergleichbar nicht von einem anderen Veranstalter oder Wettbewerb. Wenn ich damals als junger Kerl diese Chancen gehabt hätte mit meiner Band in solchen Läden zu spielen, ich denke, wir hätten alles dafür gegeben. Wir sind damals in dreckigen kleinen Juzes, in Kellern und anderen Spielunken aufgetreten, oft ohne PA, geschweige denn ein Techniker. Meist ohne Gage oder Spritgeld, manches mal noch nicht mal eine Kiste Bier und hatten dann oft keine 10 Zuschauer. Selbst heute müssen Bands auf dem Weg nach oben noch viel extremere Geschichten machen. Als Support durften wir schon mal unser Abendessen auf dem Hallenboden genießen, weil der Backstage angeblich zu klein war. Emergenza hingegen scheint mir da hingegen das reinste Schlaraffenland und nach einigen weiteren Worten und Anekdoten verabschiede ich mich wieder aus dem Backstagebereich mit der Erkenntnis, dass viele Musiker nicht im Ansatz checken, wie die Realität im Musikbusiness wirklich aussieht.

Verblendung durch die Medien oder aus mangelndem Interesse

Da ist er also: Der große Graben. Scheinbar unüberwindbar, da ich nicht wirklich das Gefühl gewonnen hatte, dass irgendjemand im Publikum oder einer der Musiker tatsächlich auch inhaltlich verstanden hatte, was ich in den Gesprächen gerade erwidert hatte, wuchs natürlich in mir der Wunsch dies niederzuschreiben und es somit in die Welt hinauszuschreien. Bei den privaten Fernsehanstalten gibt es täglich diese wüsten, gefaketen Social Dokus, die das ganze Unheil von unterbezahlten und ausgebeuteten Supermarktkassiererinnen zeigen und anderes mehr. Aber ihr scheinbaren Musikliebhaber, die ihr täglich massenhaft Musik konsumiert, ja ohne sie nicht leben könnt und sie auf dem Rechner, dem Smartphone und sonst überall mit euch rumschleppt, habt ihr auch nur mal einen Funken eines Gedankens daran verloren, was für ein riesen Apparat dahinter steckt und wie viele Mühen und Anstrengungen es braucht, bis ein Newcomer tatsächlich erfolgreich wird und dann von euch konsumiert werden kann und dass das alles tatsächlich auch viel Geld kostet, es eben eine eigene Wirtschaftsindustrie ist und es schon einfach damit anfängt, wieviel man bereit ist am Eingang zu bezahlen?
Kino: 8 bis 12 Euro, kein Thema; Fußball: 10 bis 100 Euro, kein Thema; Festivaltickets: 30 bis 150 Euro, kein Thema, aber ein Konzert mit Nachwuchsbands sollte nach Möglichkeit unter 5 Euro kosten? Das kann nur in einer stark abgespeckten Version funktionieren, in einem Juze mit geringem technischen Aufwand und jeder Menge Subventionsgeldern, die ja letztendlich auch wieder eure Steuergelder sind. Das zu durchleuchten, wäre aber schon wieder eine eigene Geschichte. Vielleicht demnächst dann mehr dazu.

Nicht der Nörgler macht die gute Stimmung

Und vielleicht denkt ihr einfach mal bei eurem nächsten Konzertbesuch daran, wie vielen Mitarbeitern ihr mit eurer Bereitschaft einen angemessenen Eintrittspreis zu bezahlen, einen Arbeitsplatz und somit das Leben sichert. Und dass vor allem in der Live-Musik-Wirtschaft ganz viele Leute arbeiten, die das mit extremer Leidenschaft und großem Herzblut machen, weil es anders sicherlich gar nicht möglich wäre.

Kritik immer gerne, wenn sie fundiert und gerechtfertigt ist. Im Nachwuchsbereich sehe ich das absolut nicht, denn hier reißen sich tatsächlich alle Beteiligten den Allerwertesten auf und es wird einem ganz selten gedankt.
Als Fan / Zuschauer hast du im Idealfall einen netten Abend gehabt und eventuell sogar einen in der Krone, als Musiker vielleicht sogar das Gleiche plus obendrauf noch eine bequeme Show mit wenig Schlepperei – sicherlich auch mit ein paar technischen Kompromissen, aber hey, wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen. Und als Mitarbeiter? Egal ob an der Theke, am Einlass, auf der Bühne oder als Organisator. Im besten Fall waren einige nette Menschen da und nicht nur Nörgler, die Stimmung war gut und vielleicht gab es einen angemessenen Lohn oder gar mal ein Trinkgeld. Aber in erster Linie war es Arbeit – Dienstleistung – die es den Besuchern ermöglicht hat einen schönen Abend zu erleben. Das sollten wir alle nicht vergessen.

Euer Tom van der Drum

Artikel 1: Sind deutsche Newcomerbands so schlecht?

Artikel 3: Warum schimpfen immer nur die Verlierer?


Artikel 4: Die bekanntesten Wettbewerbe im Vergleich

Artikel 5: Bandtutorial: Fehlervermeidung statt aus fehlern lernen