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REVIEWS

Münchner Finale viel mehr als nur eitler Sonnenschein

Was für ein spannendes Finale. Ein dichtes Kopf-an-Kopf-Rennen und wer hat es gemacht? So viele tolle Bands und nur eine konnte das Ticket nach Berlin lösen.



Samstag der 15.06.13 – ein geradezu denkwürdiger Tag, oder viel besser Nacht.

Was haben wir da zusammen auf die Beine gestellt?
15 Bands aus dem Münchner Raum und die Nürnberg-Sieger brachten mit Emergenza zusammen ganze 1.500 Gäste in die Muffathalle.

Einer von vielen Punkten, der dieses Finale zu einem der schönsten gemacht hat, das wir in München bis dato hatten.

Die Menge an Fans und Gästen ist wohl auch einfach durch die auffallend hohe Qualität der Bands zu erklären. Tatsächlich waren dieses Jahr 15 Bands zu bestaunen, von denen jede eine gute Show abgeliefert hat; viele von ihnen sogar großartige, immer in Erinnerung bleibende Erlebnisse kreiert haben.

Den Abend eröffneten No Solution, die trotz des häufig schweren Standes als Opener keine Zweifel zeigten, und die Halle gleich zu Beginn angenehm voll machten. Dies brachte ihnen auch den 8. Platz ein, und damit einen Special Guest Slot in der nächsten Emergenza Saison.

Abgelöst wurden die Solutions von The Morning After, die sich ebenfalls nichts schenkten und easy-peacy mit ihren coolen Rock'n'Roll Attitude den 6. Platz einholten. Ziemlich kompromisslos, Respekt!

Als Nächste brachten uns die Jungs von Down & Out mit ihrem abgestimmten Look und überzeugenden Vocals ein Stück nähern an die Staaten. Schade, dass es nicht in die Jurywertung gereicht hat.

Die vierte Band am Abend wollte es dann richtig wissen. Offensichtlich leiht hier ein gewisser russischer Namensvetter nicht nur den Namen, sondern auch das Kunstverständnis. Dies hatte den Effekt, dass Kandinsky als Sieger aus dem Finale hervorging und damit ins Deutschland-Finale nach Berlin fährt. Runde Sache, Jungs. Aber genug der Worte, der 1. Platz spricht für sich.

Definitiv am meisten aus dem Rahmen fielen am Samstag die drei Blues-Folk Rocker von Vorteilspack. Gitarren, Percussion, Mundharmonika — die Instrumentenvielfalt mit der die drei jungen Herren spielend zu jonglieren schienen, erfüllte die Banketthalle in eine wohlig warme Stimmung. Ich kann mir nichts besseres, als dieses Trio für für einen lauen Sommerabend am See oder auf der Veranda vorstellen.

The Sexattacks sind abseits ruhiger Seegebiete wohl eher auf dem Skateplatz großgeworden und haben passend dazu Blink182 in Dauerschleife auf dem MP3 Player laufen. Keinesfalls eine Kopie, vom Auftreten her sogar eher ein paar Gänge höher geschaltet. Tempo, Tempo, Tempo und super Performance! So geht Skatepunk-Rock!!

Der zweite Platz an diesem Abend, der eine ganze Halle ins Staunen versetzte, hört auf den Namen Swallow Tailed. Eine wirklich noch sehr junge Band, in der unglaublich viel Potential schlummert. Im Gegensatz zu den vorherigen Runden, spielte Bassisten Pia hier das ganze Set mit und füllte die Bühnenmitte sehr souverän und doch irgendwie, zum Sound der Band passend, zurückhaltend aus. Das Quartett erzeugte eine unglaubliche Stimmung in der Halle und füllte diese auch während ihres Gigs sukzessive. Macht bloß weiter so!!!!!!!!

Ebenfalls eine sehr junge Band, diesmal ein Quintett, ist Sweet Revenge.

Und auch hier stellte sich eine junge toughe Frontfrau in die Bühnenmitte und lies, besonders stimmlich, wenig Zweifel an den Absichten der Band. Bei Sweet Revenge ging es außerdem wieder heftiger zu. Rock, Metal und ein paar so unerwartet saftige Soli von Gitarrist Daniel. Gekrönt wurde die Band mit dem 7. Platz.

RnB/Hip Hop Act Jessica Johnson unterbrachen den Rock/Metal-Run mit wesentlich groovigeren Rhythmen. Hier wurde klar, dass die einzelnen Musiker, insbesondere Fronterin Jessica nicht das erste Mal auf einer Bühne standen. Die Professionalität war der Band anzusehen und schlug sich auch in den Songs, wie in deren Umsetzung nieder und brachte der Band verdienterweise den 4. Platz ein.

Was Sweet Revenge angefangen hatten griffen Child on Fire wieder auf. Das Metal Quartett ist kein Neuling auf den Emergenza Bühnen und schien fast schon zu wenig Platz auf der Bühne zu haben. Auf-die-Fresse-Metal gespickt mit so viel Testosteron, dass man es förmlich von der Bühne wabbern sehen konnte. Jeder Anwesende, wie auch sämtliche Besucher des Gasteigs, dürften danach wieder wach gewesen sein. Entsprechend gab es tosenden Applaus und den 5. Platz.

Als das Steuer nun weitergereicht wurde gab's erst einmal eine 180° Wendung.

Lisboa Phantom, in ziemlich abgefahrenen Outfits und einer, in ihrer Performance und Outfit, an einen Engel erinnernden Frontfrau, gingen wesentlich ruhiger zu Gange und gönnten damit dem Publikum einen ganz anderen Hörgenuss. Sehr schön ineinander gestrickte Songs und das bei einer verhältnismäßig großen Band. Die Band trat dabei als eine Einheit auf die auch nichts aus der Ruhe zu bringen schien, was gepaart mit den Verkleidungen den Eindruck von Extraterrestrischen, sehr musikalischen Besuchern verhärtete. Sehr schön!

Die vier Jungs von Godsground waren körperlich so was von anwesend, doch hat man bei dieser Band das Gefühl, dass sie eigentlich im Geiste auf einer Bühne irgendwo in Seattle agiert. Stoner/Grunge/Alternative. Godsground arbeiten sich konstant durch ihre Songs und bieten spannenden Nährboden für die stimmliche Reinkarnation Layne Staleys, vielleicht auch etwas Chris Cornell und Hard Rocker, so sehr festlegen möchte ich mich da nicht.
Außer Frage steht, dass die Band langsam und ohne Mühe eine Netz um das Publikum strikt, dass zu engmaschig zu sein scheint, um sich der Band zu entziehen.

KRMA Music schlugen wieder etwas straighter und weniger verspielt auf. Für jeden was dabei. Rap'n'Roll. Wenn ich richtig gehört habe, wurde da sogar Ozzy Osbournes "Crazy Train" mit Rap gemischt; toll umgesetzt. Diese Mischung sorgte dadurch auch für allgemeine Begeisterung. Besonders das Tempo, mit dem die beiden Vokalisten da teils voranmaschierten, war ziemlich beeindruckend. Eine tolle Performance und Publikumsinteraktion rundete KRMA´s Show letztendlich ab, sodass man von einem wirklich professionellen Gig sprechen muss!!

Der vorletzte Act des Abends bewies, was alles möglich ist, wenn man intensiv an der eigene Leistung und Band schraubt und arbeitet. Den Leistungssprung, den Wild Society innerhalb dieser Saison hingelegt haben, sticht für mich persönlich absolut heraus. Es kam mir fast so vor, als ob Teile der Band ausgetauscht worden wären, aber nichts da. Die selben vier Jungs wie zu Anfang, die aber wohl Robert Johnson-mäßig einen Pakt eingegangen sind. Dies schlug sich insbesondere in der Leistung des Fronters Karlo nieder. Der Kerl der am Samstag über die Bühne fegte und keine Chance ausließ die Menge anzuheizen war wie ausgewechselt. Starke Leistung!!!

Den Abschluss machten die Bamberger Sumosluts. Ein Sprengsatz von einer Band. Ernsthaft, ein paar Runden um den nächstgelegenen Sportplatz wären wahrscheinlich sinnvoll gewesen. Die Bühne war schlichtweg zu klein für das Quintett, dass da in einer Tour über die Bretter fegte und wahrscheinlich in selben Tempo bis morgens um 05:00 weitergemacht hätte, hätte es keine zeitliche Begrenzung gegeben. Wohl verdient strichen die Jungs den 3. Platz ein und brachten damit trotz allem ihren mitgebrachten Reisebus voller Fans bis zur Siegerehrung nicht zum Schweigen. Was schütten die euch in Bamberg eigentlich ins Wasser? Man, man, man: Band wie Fans haben auf jeden Fall für Nonstop Party gesorgt!

An dieser Stelle bedankt sich das Emergenza Team nochmal bei allen beteiligten Bands und Besuchern für einen unvergesslichen Abend, der uns irre viel Spass gemacht hat. Ihr habt die Messlatte mit uns zusammen auf ein Level gesetzt, das nur noch schwer zu toppen ist.

Kriegen wir das wieder hin??

Mal schauen.

Bis dahin einen schönen Sommer euch allen!

Philip Z.



Nachdem zunächst das Publikum, wie in den Runden zuvor, per Handzeichen für die Bands gevotet hatte, war es die schwere Aufgabe der 4 Juroren, aus den acht* Bands ihren Sieger zu bestimmen und die weiteren Platzierungen mit den Sachpreisen zu belohnen.
Hier die Platzierungen der einzelnen Jurymitglieder:

Band / Jury Füß Meh Sti Pet Summe Platz
No Solution
8 7 8 8 31 8
The Morning After
7 5 5 6 23 6
Kandinsky 2 2 1 4 9 1
Swallow Tailed
1 4 4 1 10 2
Sweet Revenge
5 8 7 7 27 7
Jessica Johnson
 3  3 12  4
Child on Fire
 4  5 21  5
Sumosluts  6  2 11 3

* Da die Publikumsstimmen so eng beisammen lagen, wurde eine Band mehr als geplant in das Juryvoting genommen.