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REVIEWS

Süddeutsches Finale 2014 in München

Ein Finale, wie wir es schon lange nicht mehr erlebt haben - ein pickepacke volles Backstage Werk und eine sensationelle Stimmung!



Der Abend wurde von den Hip Hop Lokalhelden der Schwabinski Crew eröffnet. Nach anfänglicher Misskommunikation zwischen Band, DJ und Technik, legten die Jungs um 19:00 Uhr los, als ob es kein Morgen gäbe. Auch den anfänglich etwas leise dahinplätschernden Beat ließen die Schwabinskis nicht das Ruder übernehmen. Professionell zogen die Jungs die Stimmung hoch, als ob nichts wäre. Nicht nur das so die mitgebrachte Crowd direkt in eine geile Liveshow geworfen wurde, auch schafften die Vier es, die Konzertbesucher von draußen in den Club zu locken, so dass es sich schnell vor der Bühne füllte. Den zweiten Teil ihres Sets spielten sie mit Live Band und zwei Background Sängerinnen. Eine durch und durch fähige Band, die mit kleinen Problemen sehr gekonnt umgehen kann!! So sackte die Schwabinski Crew den 3. Platz ein.


Eskimow folgten direkt auf die Bretter die die Welt bedeuten. Eine generell ziemlich überzeugende Performance, nur ging es Eskimow wie einigen anderen Bands auch; die große Bühne wurde nicht in ihrem kompletten Umfang genutzt. Da geht noch mehr! Besonders herausstechend waren die Vocals von Sänger Alex. Hier haben die Jungs ordentlich angezogen. Der letzte Song des Sets war evtl. etwas unglücklich gewählt. Ein guter Song, aber um das Set abzuschließen definitiv zu eintönig. Bis auf ein Teil der Performance, bei dem die Band eine Art ZZ-Top Choreografie darbot, wirkte der Gig sehr gelassen und professionell. So kann man das schon machen. Thumbs up!


Wenn man die Akteure, die sich hinter dem Namen No Goes verstecken hinter der Bühne erlebt, erlebt man sie eigentlich nicht. Der Kontrast zwischen der sonst so zurückhaltenden, stillen Art der Jungs und den anderen Typen, die sie auf der Bühne sind, ist unglaublich. Speziell Frontmann Raffael bildet auf Kommando eine Aura um sich, die die Band wie selbstverständlich ins Publikum fließen lässt. Angefangen mit einer Ansage, die eine düster, melancholische Stimmung erzeugte, wurde ein sehr abwechslungsreiches Set geboten. Musikalisch ist die Band sehr vielfältig. Zum Schluss schien es mir allerdings so, dass die Band ihr Publikum nicht mehr so gut wie zu Beginn im Griff hatte. Ich bin mir allerdings sicher, dass das im Grunde für No Goes kein Problem ist. Der Jurypreis ging verdientermaßen an die vier Jungrocker.


Für die folgende Band kleidete sich, so schien es, die komplette Halle in Paradoxon-Merchartikel. Paradoxon gingen im Vergleich eine sehr ruhige Show an, performten auch passend zur Musik und lieferten durch und durch eine solide Show ab. Die Songs bauen sich langsam und mit viel Geduld auf und sind generell sehr atmosphärisch. Eine gute Band, von der man hoffentlich noch so viel hören wird, wie ihre Fans bei der Abstimmung laut waren.


Die Sexattacks machten keine Gefangenen. Wieder muss ich den Blink 182-Vergleich ziehen. Die Band kommt auf die Bühne, prescht los, zerlegt dabei alles vor, hinter, über und um sich herum und geht. Punk wie er schmeckt. Wenn man Kritik anbringen will, bleiben zwei Punkte. Rein technisch ist da sicher noch einiges rauszuholen. Gerade herrscht noch etwas der grobe Knüppel. Das ist allerdings verzeihbar, da die Band ansonsten auf der Bühne eher explodiert als dass sie spielt. Als zweiten Kritikpunkt, wenn man das so nennen will, kann man anbringen, dass Sexattacks musikalisch nicht besonders innovativ sind. Müssen sie aber auch nicht. Das, was die Jungs machen, machen sie so gut, dass sich generell eine würdige Konkurrenz vermissen lässt. Wenn man zu den Menschen gehört, die einfach auch mal gerne auf ein Konzert gehen und den Alltag hinter sich lassen wollen, ist unbedingt zu empfehlen sich die Sexattacks mal live zu geben!


Und nun Ladies and Gentleman: Stilwechsel. DiePlomaten sind eine Indie-Rock/Alternativ Band mit zusätzlich zwei Rappern. DiePlomaten gehen alle etwas relaxter an die Sache, fast schon „schlonzig“. Also lässig, rockig und Hip Hop Laid Back! Bei jeder anderen Band hätte ich das kritisiert, bei den Jungs ist es absolut stilecht und passend. DiePlomaten waren ihrer Sache absolut sicher. Eine Einstellung, die sich im Regelfall gleich auf's Publikum überträgt. So auch hier. Vor der Bühne machte die Band und ihre Fans einen Hexenkessel auf, der der Crowdexplosion bei den Sexattacks in nichts nachstand. Besonders weil die Band einen sehr eigenwilligen Sound hat, diesen aber toll definiert, denke ich, dass man von DiePloamten auch in Zukunft noch was zu hören bekommt.


ANFOL: Was soll man sagen? Das Konzept funktioniert einfach so eindeutig, dass man doch etwas erstaunt daneben steht und bewundert, mit welcher Selbstverständlichkeit die Band und ihr Team „A New Form of Life“ vorantreiben und den Kurs bestimmen. Teilweise generischer College Rock und Punk. Ein paar ruhigere Stücke, respektive Balladen, etc. Irgendwie wie man es aus diversen Hollywood Produktionen kennt. Und wie auch in den Hollywoodproduktionen stimmt bei Anfol alles. Die Musiker, öfter mal vorlaut, nehmen definitiv kein Blatt vor den Mund – passt. Die Jungs stehen völlig legitim da wie Rockstars, als ob sie die letzten Wochen nichts anderes getan hätten als vor einem vollen Backstage Werk zu spielen – passt. Fast ausschließlich gut aussehende, junge Frauen im Publikum, die jeden Schritt und Ton des Quintetts aufmerksam verfolgen – passt. Die Band macht Spass, gerade weil es einem so vorkommt als ob man das alles schon mal gesehen hätte und bekannte Muster erkennt, nur eben live. Ihre Fans bewiesen ebenfalls Geschmack, als sie bei der Ballade „Summer is over“ ein Lichtermehr erzeugten, aber nicht wie es heute leider so oft üblich ist mit dem kalten Licht ihrer Smartphone Displays, sondern oldschool mit ihren Feuerzeugen! Schade war, dass die Vocals nicht wirklich überzeugen konnten. Das könnt ihr besser Jungs!


Hiermit beginnt der 2. Block


Die Eröffnung dessen übernimmt Junk DNA. In meinen Mitschriften zur Show sehe ich einen Stichpunkt:“Straight auf die 12!!!“ - Und so wars. Die 5 räumen einfach auf. Ohne Wenn und Aber. Obwohl ihr Sound schon aus den harten Gefilden kommt und wohl am ehesten als Metalcore zu bezeichnen ist, rissen Junk DNA das Werk einfach mit. Dafür großen Respekt. Ein paar entsetzte Gesichter waren zu sehen, die nicht so recht verstanden, was da gerade passierte. Trotz allem war zu sehen, dass die Bühne von der Band nicht komplett eingenommen wurde. Zu viel Platz für die fünf? Nein, reine Gewöhnungssache, da bin ich mir sicher. Wenn also noch etwas mehr Dynamik in die Show kommt, wird man demnächst die Junk DNA T-Shirts öfter mal in U,- und S-Bahnen zu sehen bekommen ;) Die Jungs strichen so verdienterweise den Punblikumspreis ein, obwohl sie „nur“ die drittmeisten Stimmen hatten. Nachdem aber die beiden Bands mit den meisten und zweitmeisten Stimmen schon den ersten und zweiten Platz gemacht hatten, rückten die Jungs nach. Glückwunsch!


Und nun? Nicht verzagen, Rising Spirit fragen! Wie in den vorherigen Reviews schon beschrieben: Die Band ist einfach eine Ansage. Beim Intro ging was schief.. na und? Die Jungs erstürmen die Bühne als wäre nichts und legen einfach los. Professionell eben! Die Bühne wurde voll eingenommen, der Schweiss floss in Strömen; beidseitig des Bühnengrabens. Frontman Moritz hat eine wirklich spezielle Stimme, die sicher nicht jedermanns Sache ist, bringt aber durch die perfekte Balance aus Dreck und Push die Band in die „Tanzbeine“ der Zuschauer. Egal wo, die Band und ihre Mitglieder strahlen reinen Ehrgeiz und Selbstvertrauen aus und transportieren dies auch perfekt. Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen. Ein absolut geiler, energiegeladener Heavy Rock Act!!


Den Anschluss machten Mr. Serious & The Groove Monkeys. Wie immer professionell mit garantiertem Gänsehautfeeling. Die Musik ist ein ganzen Stück filigraner, ohne dabei an Heavynes einzubüßen. Die von ihnen konzeptionierte Lichtshow unterstützt die Musik und die Band an sich auf wundersame Weise. Alles irgendwie düster. Die Musiker stehen eigentlich die ganze Zeit im Dunkeln und sind dadurch irgendwie noch präsenter. Besonders sticht wieder die göttliche Stimme Mr. Serious persönlich raus. Der schafft irgendwie eine Aura um sich, die eines Johnny Depp in „Dead Man" würdig ist. Ruhig und düster und intensiv und schwer zu beschreiben, aber faszinierend. Musikalisch lieferte die Band wie immer ein hohes Niveau. Um doch einen Kritikpunkt anzubringen: Im Semifinale waren sie besser, irgendwie zentrierter. Da die Show im Werk trotz allem absolut mitreißend war, bleibt die Frage, ob man genannten Punkt als Kritik gelten lassen will. Die Monkeys heimsten damit auch den 1. Platz ein und werden somit auf dem Deutschland Finale in Berlin zu sehen sein. Verdient haben sie es sich.


Schon in Nürnberg im Finale gewonnen und dadurch automatisch im Juryvoting: Never Ending Summer. Die Vier hatten eine Authentizität, dass man glauben könnte, sie seien nachmittags aus Venice/Kalifornien eingeflogen worden. Never Ending Summer machten sich schnell beliebt beim Münchner Publikum und erzeugten passend zu ihrem Namen gute Stimmung. Der punklastige Sound der Band lockerte das Heavy Dreigestirn von zuvor etwas auf. Hier und da hing die Band allerdings technisch etwas hinterher. Mit einem netten Gruß an die Münchner Bands und der Aufforderung zum Applaus für eben diese haben sie sich sicher auch nicht unbeliebt gemacht. Die Band macht jede Menge Spass. Ich persönlich würde sie mir gerne mal im Sommer auf einem Open Air anschauen, das könnte ich mir gut vorstellen. Sollte für die Jungs aber auch kein Problem werden!


Dass Sounds in the Alley auf Pink Floyd, Classic Rock im allgemeinen und auch Grunge stehen, steht für mich außer Frage. Langsam, etwas melancholisch und dadurch unglaublich wirksam! Die Band ist allerdings auch durchaus in der Lage Alternative und Punk Elemente abwechslungsreich in ihrer Musik zu verpacken. Generell fährt die Band immer mit einem nachvollziehbaren und gut getimeten Groove durch ihr Set. Die etwas sonore, tiefe Stimme setzt der Stimmung die Kirsche auf. Bei aller Liebe für den Groove wurde das Set zum Schluss hin etwas eintönig, was schade ist. Die Band hat eigentlich alles. Vielleicht würde teils die Orientierung an klassischen Song Schemata der Band und der Musik im Kontext gut tun.


Gefolgt wurden sie von I Am Vengeance, um die Moshpit-Wahrscheinlichkeit noch mal zu triggern. Hat funktioniert. Metalcore in your Face. Und wieder standen alle Anwesenden mit offener Kinnlade da und konnten nicht fassen, wo die gurgelnden, grunzenden Laute herkamen, die Sänger Matthias da von sich gab. Für alle die, die die Band nicht kennen: Gitarrist und backing Sänger Jordan übernimmt dabei die clean Parts. Eigentlich ganz gut, hier und da sicher noch ausbaufähig. Dafür steht er wie ein Fels in der Brandung als Rückrat auf der Bühne und scheint immer die Ruhe weg zu haben. Die Band greift herrlich ineinander. Zu bemerken ist aber auch bei I Am Vengeance, dass sie vielleicht mit der Größe der Bühne noch vertrauter werden müssen. Mehr Bewegung der Saiteninstrumentalisten und des Sängers wäre absolut möglich und auch nötig gewesen. Und auch hier habe ich keinen Zweifel daran, dass das nur eine Frage der Zeit ist. Genügend Souveränität bringt die Band mit.


Die Orientrocker von Karga hatten kein zu leichtes Spiel, meisterten ihre Sache aber beispiellos. Sie konnten einen Haufen Gäste überzeugen, ganz klar durch ihre Musik. So wie in den Vorrunden auch. Auch hier könnte man sagen, die Band hat sich zu wenig bewegt. Ist in diesem Fall aber auch gut so. Karga performt eben durch ihren Sound, der genau die Show verlangt, die die Herren bieten. Stilistisch ist die Band ziemlich ungebunden und trotzdem zieht sich immer ein roter Faden durch ihr Set. Leider wirkte die Band teilweise etwas lustlos. Das war schade, die Meute war noch hungrig!!!


Abschließend bleibt zu sagen, dass dieses Finale wohl nicht so schnell vergessen werden wird. Das Niveau der Bands war dieses Jahr unverhältnismäßig hoch. Damit ist aber nicht nur Technik, Musikalität, Auftreten und Performance gemeint, sondern auch der Ehrgeiz der Bands, Leute ins Backstage zu bringen, eine gute Show zu liefern, eine gute Zeit zu haben, etc. So brauchte die Jury auch einige Zeit, um sich darüber einig zu werden, welche der Bands wie platziert wird. Vor der Show und hinter der Bühne war immer wieder zu beobachten, wie sich neue Bekanntschaften schlossen. Man darf gespannt sein, welche der Bands demnächst zusammen die Bühnen unsicher machen. Die gute Stimmung war da, das Publikum das coolste überhaupt, da die Bands durch die Bank supported wurden.

So sieht ein schönes Konzert aus.

Ergebnisse:

    1.Platz: (Einzug ins Deutschlandfinale/Berlin)

      Mr. Serious & The Groove Monkeys

    2.Platz: (Marshall Vollröhrentop + 4x12 Cab)

      The Sexattacks

    3.Platz: (Cubase Elements 7)

      Schwabinski Crew

    Jurypreis: (professionelles Fotoshooting)

      No Goes

    Publikumspreis: (Inlandsgig)

      Junk DNA

Die Jury konnten sich trotz des durchgehend hohen Niveaus jeweils einstimmig festlegen. Der Publikumspreis wurde an die Band mit den dritt meisten Stimmen vergeben, da die Bands mit den meisten Stimmen vom Publikum wie auch Jury best bewrtet waren und dadurch auf dem ersten und zweiten Platz kamen. Nach dem Emergenza Regelwerk werden keine zwei Preise an eine Band vergeben, so rückt immer der nächst beste nach. 


In diesem Sinne bedankt sich das Emergenza Team auch noch mal bei allen Bands und Gästen für diesen tollen Abend!!!


Euer Phil/Emergenza